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30 Jahre Swissalpine Marathon Davos

Story #1 │ «Laufend in Form bleiben»

Titelblatt der Marathonzeitung von 1988
Originaltext "Laufend in Form bleiben"
Grafik "Zu dick - zu dünn? Die Waage zeigt's"

«Wer rastet, der rostet
Bewegung und Sport machen nicht nur Spass, für Herz und Kreislauf sind sie unentbehrlich. Wer den Arbeitstag am Schreibtisch verbringt, braucht in der Freizeit einen Ausgleichssport. Durch Trimmen kommt Herz und Kreislauf auf Trab. Bewegung ist das beste Rezept zur umfassenden Vorbeugung.

  • Trimmen Sie sich täglich zehn Minuten, bis der Puls auf Touren ist. Faustregel: 180 minus Lebensalter - das ist die Zahl der Pulsschläge die man erreichen, aber auch nicht wesentlich überschreiten sollte.
  • Halten Sie sich kräftig indem Sie täglich die wichtigsten Muskeln kurz und kraftvoll anspannen. Kniebeugen, Rumpfbeugen aus der Rückenlage sowie Liegestützen und Klimmzüge sind gute Übungen.
  • Vergessen Sie nicht, dass sich durch wiederholtes Anspannen die Muskeln verkürzen, und beugen Sie deshalb mit gezielten Stretch-Übungen einer muskulären Dysbalance vor. Wichtig ist dabei wieder das Dehnen der Beinbeuge- und Beinstreckmuskulatur, aber auch der Hüftbeuge und der unteren Rückenstrecker.
  • Nicht auf den einmaligen Kraftakt kommt es an, sondern auf Stetigkeit und Ausdauer. Langsam anfangen und allmählich steigern - so brauchen es Herz und Kreislauf.
  • Nutzen Sie die Gelegenheiten: Treppen statt Aufzug, Velo statt Auto, Schusters Rappen statt Bus oder Tram. Das tut immer gut und sorgt im übrigen für den nötigen Ausgleich, wenn das Essen einmal üppiger war als es Herz und Kreislauf mögen.
  • Ein guter Kreislauf mindert das Risiko des Herzinfarktes. Regelmässige Bewegung ist das beste Mittel gegen Arteriosklerose (Schlagaderverhärtung).
  • Achten Sie auf eine ausgewogene und fettarme Ernährung.

 

Und nun kann es losgehen!
Suchen Sie sich eine ebene, eventuell leicht kupierte Trainingsstrecke. Stellen Sie sich Ihren Trainingsplan zusammen, zum Beispiel folgendermassen:

  • 3mal wöchentlich 4-5km joggen = 3mal 20 Minuten 
    oder
  • 2mal wöchentlich 8-10km joggen = 2mal 40 Minuten

Achten Sie darauf, dass Sie sich wohlfühlen und dass Sie während dem Joggen mit dem Trainingspartner noch einen Schwatz halten können. Unregelmässiges Training und nur einmal pro Woche verspricht wenig bis kein Erfolg.

Zum Schluss jedes Trainings gehören Lockerungs- und Stretchübungen ins Programm. Wer dieses Basistraining ein paar Wochen lang absolviert hat, verspürt vielleicht den Drang mehr zu trainieren. Aber Achtung - nichts überstürzen; zuerst die Trainingsstrecke verlängern und erst dann die Intensität steigern. Wenn Sie 10km Dauerlauf ohne Probleme bewältigen, können Sie mit der nötigen Zurückhaltung bereits an kürzeren Läufen teilnehmen. Achtung jedoch bei grösseren Distanzen - der Einbruch kommt bestimmt. Der folgende Trainingsblock hat zum Ziel, das Herz-Kreislauf-Training fortzuführen und gleichzeitig die Schnelligkeit zu verbessern. Der Trainingsplan sieht nun etwa folgendermassen aus:

  • 2mal wöchentlich 30 Minunten 8-10km joggen
  • 1mal wöchentlich 15-20km joggen
  • 1mal wöchentlich im kupierten Gelände in wechselndem Rhythmus laufen, 2-3km Fahrtspiel mit Pausen (Lockerung, Regeneration).

Läufe bis 20km Distanz gehören hier zum Gradmesser Ihres Trainings. Wenn Sie die Startphase mit etwas Zurückhaltung angehen, ist der Landwasserlauf (28km) als Saisonziel geeignet. Gerade über Distanzen von 30km und mehr treten Schwierigkeiten auf, die Sie beim Kurzstreckentraining nicht kannten. Es gilt nun den Körper noch besser kennenzulernen und auch der Verpflegung ist über lange Distanzen grösste Beachtung beizumessen. 

Wer sich jetzt mit dem Ziel einen Marathon zu bewältigen beschäftigt, der muss den zeitlichen Trainingsaufwand nochmals beträchtlich steigern. Das Grundtraining im Trainingsplan 2 wird jedoch beibehalten und durch ein Lauftraining von 30-40km alle zwei Wochen ergänzt (extensiver Dauerlauf). Hier werden dann auch die Stoffwechselfunktionen Zucker-Fettverbrennung geübt! Je sorgfältiger das Training aufgebaut ist, desto besser arbeitet der Körper mit der Sauerstoffverbrennung, was wiederum zur Leistungssteigerung im Ausdauerlauf führt.

Gezieltes Krafttraining gehört in dieser Trainingsphase als Ausgleich zum einseitigen Laufen zwingend dazu. Um in den Ermüdungsphasen risikolos zu laufen empfiehlt es sich Laufkoordinationsübungen in das Training einzubauen. Achten Sie auf einen guten Laufstil, üben und pflegen Sie diesen; er hilft mit, Abnutzung zu vermeiden. Nach jedem Training stretchen, Lockerungsübungen halten Sie beweglich.

Sorgen Sie für ein abwechslungsreiches Training. Lernen Sie Ihren Körper noch besser kennen und beginnen Sie, Ihr Training zu kontrollieren. Auch empfiehlt sich eine laufende Überwachung des Pulses. Nehmen Sie an einem sogenannten Conconi-Test teil, Sie kennen dann Ihre Leistungsschwelle und vermeiden somit, dass Sie in einen Sauerstoffmangel laufen. Steigern Sie Ihre Leistungsfähigkeit indem Sie immer 5-8% unter dieser Leistungsschwelle laufen. Sie verhindern damit ebenfalls ein Übersauern der Muskulatur. 

Bei all den medizinisch-technischen Hinweisen sollten Sie aber eines nicht vergessen:
Freude und Spass am Laufen! Wer gut trainiert ist, hat mehr vom Laufen!
Für Amateure: Langsames Starten bringt Erfolg!»

Beitrag aus der offiziellen Marathonzeitung von 1988.

 

 

Story #2 │ «Diesen Wahnsinn machst Du nicht noch mal»

«Meine Swissalpine-Story» von Mirko K.
...als ich mit dem Laufen angefangen habe, hatte ich keinen Schimmer von Langstreckensport. Bewegung und Fit bleiben war das Motto. Nicht lange darauf lief ich den ersten 20km Lauf. War viel zu schnell und demzufolge im Ziel völlig erschlagen... aber "Blut" geleckt. Also wollte ich mehr.

Die nächsten Ziele wurden gesucht. Hilfreich dazu war ein Laufkalender als Weihnachtspräsent von 42195-Kalender. Ein Titelbild war der Rennsteiglauf und ein weiteres der Swissalpine. Beides musste auf den Plan.

Als Erstes lief ich Rennsteigmarathon. Dann folgte der C42. Ein schöner Marathon, aber was mich wirklich bewegt hat, waren die Läufer, welche vom K78 ins Ziel liefen. Beim Zusehen stand für mich fest: das machst Du auch mal.

Der Newsletter machte es mir leicht: 25 Jahre Swissalpine. Dies war die nächste Weihnachtsüberraschung der Familie. Einfach toll dieses Event, dieses Erlebnis, dieses Gefühl.
Nach dem Zieleinlauf stand für mich fest: Diesen Wahnsinn machst Du nicht noch mal.
Ein Tag später war die Meinung, war gar nicht schlecht.
Zwei Tage später, ICH komme wieder!!

Ein paar Jahre der besten Terminsuche vergangen. Nachdem das Jahr 2014 für mich sportlich gut verlief, die Fitness passt, habe ich beschlossen daran anzuknüpfen und genau nach fünf Jahren wieder dabei zu sein.

Also, ich freue mich auf ein Wiedersehen. Bleibt alle gesund!!
Mirko K.

Beitrag von Mirko K. - herzlichen Dank!

Start des K78, 2010
Medaille 2010
Collage

Story #3 │ «Die Ernährungssituation beim 1. Swiss Alpine-Marathon»

Titelseite der Marathonzeitung von 1986
Originaltext "Die Ernährungssituation beim
1. Swissalpine Marathon"
Originaltext "Die Ernährungssituation beim
1. Swissalpine Marathon"
Grafik "Produkteverteilung 1986"
Grafik "Verpflegungsplan 1986"

«Dieser erstmalige Anlass, auch als Lauf der Superlative («höher, schneller, weiter») bezeichnet, stellt an den Läufer ganz besondere Anforderungen. Es geht jetzt nicht mehr nur darum, wie bei Flachland-Läufen, den Flüssigkeitsverlust zu kompensieren und die Energiereserven nicht versiegen zu lassen, sondern als neues Problem kommt nun die Höhe dazu. Bekanntlich nimmt mit zunehmender Höhe der Sauerstoffgehalt der Luft ab. Sauerstoff ist aber unbedingt notwendig, um aus den Energiereserven, d.h. den Kohlenhydraten (in Form von Blutzucker und Glycogen) sowie den Fetten (als freien Fettsäuren und dem Depotfett) Energie zu gewinnen. Die Fettverbrennung braucht 16% mehr Sauerstoff als die Energiegewinnung aus Kohlenhydraten. Letztere jedoch können nur beschränkt im Körper gespeichert werden, nämlich im Normalfall bis 400g, im Extremfall bis 600g, während die Fettreserven mehrere Kilogramm betragen. Da die Sauerstoffzufuhr jetzt durch den geringeren Gehalt der Höhenluft noch wesentlich mehr begrenzt wird, als dies bereits durch die Aufnahmefähigkeit des Blutes geschieht, ist eine genügende Kohlenhydrateversorgung für das Durchhalten dieser Leistung umso wichtiger. Dass die Zufuhr von genügend Flüssigkeit ein absolutes Muss ist (2% Wasserverlust führen zu einer 20%igen Leistungseinbusse!), dürfte heute selbstverständlich sein. Neu für die Höhensituation ist die Beobachtung, dass mit zunehmender Höhe (dies gilt allerdings vorerst nur für grosse Höhen über 5000m) eine geringere Elektrolytzufuhr empfehlenswert sein kann.
Alle diese Bedingungen wurden bei der Gestaltung der Verpflegung beim 1. Swiss Alpine-Marathon berücksichtigt. Auf der Gesamtstrecke von 67 km sind 12 Verpflegungsposten peplant, wobei der Abstand auf der relativ flachen Strecke eine Distanz von 7-8 km beträgt. Mit zunehmender Steigung sinkt der Abstand der Verpflegungsposten von 5.5 auf 4 km ab und steigt gegen Ende des Laufes wieder auf 6 km an. Diese Abstufung der Distanzen soll dem Läufer ermöglichen, bei den besonders strapaziösen Strecken vermehrt Kohlenhydrathaltiges und Flüssigkeit aufzunehmen.

Um den individuellen Bedürfnissen und Gewohnheiten der Läufer möglichst gerecht zu werden, stehen an allen Posten mehrere Getränke sowie - wo es vernünftig erscheint - verschiedene feste Verpflegungsvarianten zur Auswahl. Sie wurden nach folgenden Kriterien auf die Posten verteilt: Tee und Wasser werden nach alter Tradition an jedem Posten bereitstehen. Zusätzlich soll Isostar auf den ersten 5 und den letzten 3 Posten, also vor dem grossen Aufstieg und nach der Passhöhe, einerseits das Ersetzen der herausgeschwitzten Mineralstoffe ermöglichen, anderseits dank seiner raschen Resorption den Durst nachhaltiger löschen helfen. Ab Filisur bis zum Sertigpass wird der neue Perform Energiedrink für eine optimale Kohlenhydratversorgung in flüssiger Form sorgen. Auch wer im grossen Anstieg keine fest Nahrung mehr aufnehmen kann, muss somit nicht auf die Energiezufuhr verzichten. In Ravaisch, 4 km vor der Passhöhe, steht zusätzlich eine warme Bouillon bereit, was besonders bei schlechter und kühler Witterung willkommen sein dürfte. Am Ziel darf natürlich auch die gute alte warme Ovomaltine nicht fehlen.

Die feste Nahrung wurde vor allem für die Strecke zwischen Monstein, im Abstieg nach Filisur, und zu Beginn des Aufstiegs bis Tuors Davant, eingeplant, da diese Strecke für die Verdauung die günstigsten Bedingungen bietet. Im Zentrum der festen Verpflegung steht der Perform Energiebarren, der sich in allen Sportdisziplinen als leicht verdaulicher, bekömmlicher Kohlenhydratlieferant bestens bewährt hat. Abwechslungsweise werden zusätzlich Apfelschnitze und Bananenstücke angeboten. Für die Läufer, die den Landwasserlauf in Filisur beenden, sollen als kulinarische Überraschung die von Radfahrern heissgeliebten Aprikosentörtchen und Reiskuchen dienen. Im zweiten Teil des Aufstiegs zum Sertigpass sowie im Abstieg nach Davos dürfte infolge der körperlichen Anstrengung kaum ein grosses Bedürfnis für feste Nahrung vorhanden sein. Dem wird, wie bereits erwähnt, durch ein erweitertes Getränkeangebot Rechnung getragen.

Wie die Erfahrung bei extremen Langstreckenläufen gelehrt hat, kann der Magen bei einigen Läufern mit der Zeit eine gewisse laufbedingte Überreizung zeigen. In diesem Fall ist es besonders wichtig, dass bereits von Anfang an bei jedem Posten getrunken wird, jedoch stets nur kleine Mengen auf einmal und dies in kleinen Schlucken. Ausserdem ist vom Durcheinanderkonsumieren vor allzu verschiedenen festen und flüssigen Dingen abzuraten.

Auch in ernährungstechnischer Hinsicht ist der 1. Swiss Alpine-Marathon eine Premiere, und Wander erhofft sich eine Fülle von neuen Erfahrungen.»

Beitrag von Dr. M. Steiger, aus der offiziellen Marathonzeitung von 1986.

Story #4 │ «G'schichten aus dem Läuferwald»

Ausstattungsdetails
Ende Juli 2010. Mein Laufbruder Stephan und ich haben uns in den vergangenen Monaten läuferisch angemessen vorbereitet auf die Königsdisziplin: den K78, Swiss Alpine, Davos. In der Vorbereitung legte Stephan mehrheitlich die Strecken fest, mir oblag quasi als Zeugwart das Festlegen der organisatorischen Kleinigkeiten.
Dazu gehörte natürlich auch die entsprechende Ausstattung: Schuhe, Bekleidung, Kopfbedeckung, Sonnenschutz etc. Und eine Sonnenbrille mit UV-Schutz. Dieses Detail nutze ich schon seit Jahren, Stephan bis dato nie. Sein „Ich brauche sowas nicht!“ hatte ich während der Vorbereitungszeit durch gute Argumentation und Hartnäckigkeit entkräften können. Für einen stolzen Preis liess er sich daher eine chice Sportsonnenbrille mit UV-tauglichen Gläsern in seiner Sehstärke anfertigen.
Am Lauftag starten wir um 07.00 Uhr trotz recht frischer Temperaturen am Sportzentrum in Davos in kurzen Tights und Trikots. Die Bekleidung ist gut gewählt, bei Ankunft in Bergün sind wir warm gelaufen. Das Umkleiden für die nächste Etappe klappt reibungslos, für das hochalpine Gelände sind ¾ Tight und Langarm-Shirt nicht overdressed. Sonnenbrille und Mütze aufgesetzt, weiter geht´s. Nach Verlassen von Bergün kommt tatsächlich vereinzelt die Sonne durch, weshalb die Sonnenbrille nützlich ist. Höhenmeter um Höhenmeter geht´s aufwärts, es ziehen Wolken auf. Die Brille wird nicht mehr benötigt, wird auf den Schirm der Mütze gesetzt.
Irgendwann kommen wir an einen Verpflegungsposten, direkt hinter einer kleinen Brücke über einen rauschenden Gebirgsbach. Nach kurzer Stärkung will sich Stephan an einem Wassertrog auf der Brücke über den Bach frisch machen. Dazu beugt er sich vornüber, die Brille rutscht von seiner Mütze und versinkt im Bach. Unverzügliche „Rettungsversuche“ durch Stephan und den hinzugeeilten Postenchef blieben erfolglos. Die Brille ist verloren.
Die nächste Stunde habe ich Mühe, dran zu bleiben. Stephan ist wortkarg, läuft wie entfesselt, setzt seinen ganzen Ärger in Laufenergie um. Natürlich krieg´ auch ich mein Fett weg: „So ein Blödsinn, ´ne Sonnenbrille war schon immer völlig überflüssig!“. Spätnachmittags laufen wir gemeinsam ins Ziel ein, umarmen uns herzlich.
Zu seinem nächsten Geburtstag erhielt Stephan von mir eine einfache Sportsonnenbrille. Wir sind immer noch einträchtige Laufbrüder.

New York City, here I come
Anfang November 2007. Ein Hotel nahe des Flughafens Frankfurt/Main. Eine Gruppe Läufer sitzt im Restaurant bei knuspriger Pizza und spritzigem Weizenbier, natürlich alkoholfrei. Die Stimmung ist verhalten ausgelassen, voller Vorfreude auf die nächsten Tage. Gegen 21.00Uhr Aufbruch in die jeweiligen Zimmer, die Verabschiedung recht kurz. Man kennt sich, weiss um die Zuverlässigkeit und Struktur des Anderen. Die Fakten sind klar: halb sechs Wecken und Duschen, viertel vor sechs gemeinsames Frühstück, zwanzig nach sechs Abfahrt mit dem Shuttle zum Flughafen.
Um 06.10 Uhr reisst mich ein schrilles Telefonklingeln aus meinem Traum, in dem ich gerade in den Central Parc, N.Y.C. einlaufe. Aus dem Telefon lärmt mein Laufbruder Richard aus H.: „Christoph, wo bleibst Du denn? Hast Du schon gefrühstückt oder pennst Du etwa noch?“
Upps. Wecker falsch gestellt. Die verbal angesagte Weckzeit halb sechs ist digital eben nicht 06.30 Uhr...
So schnell war ich noch nie geduscht, war der Koffer fertig gepackt und ich in die Lobby gerannt.
Im Shuttlebus zum Flughafen ergoss sich natürlich genüsslich die Häme der Laufkameraden über mich. Der N.Y.C.-Marathon war dennoch ein Riesenerlebnis.

Beiträge von Christoph F. - herzlichen Dank!

Story #5 │ «Ein Jubilar erzählt...»

Interview mit Jubilar Urs O. - seit 30 Jahren beim Swissalpine Marathon mit dabei!


Seit 30 Jahren mitten im Geschehen dabei – was sind die grössten Unterschiede von damals zu heute?
Urs: «Am Anfang waren wir Verrückte, dann einfach «ein bisschen anders» und heute sind wir wieder normal. Sicher hat sich auch die Laufbekleidung geändert vom Baumwollshirt zur funktionellen Laufbekleidung. Die Nervosität: Beim 1. Swissalpine war es kaum auszuhalten – das Unbekannte. Dann folgten etwa 10 Jahre, in denen ich jeweils nervös war, weil ich meine Zeit verbessern wollte. Es kam dann die Zeit, in der sich die Nervosität legte und ich mich zum Genussläufer wandelte.»

Was ist deine Motivation, jedes Jahr beim Swissalpine Marathon wieder mitzumachen – und dies seit 30 Jahren?
Urs: «Die Landschaft Davos, die Zuschauer und Helfer, gemeinsam und doch alleine diese Strecke zu laufen, Ferien, die Berge, der Duft der Alpenkräuter, der Speaker in Wiesen und im Sertigdörfli, der Zieleinlauf, die Startnummer 73, u.v.m. Und dann ist da noch das Gefühl am Ziel leer zu sein (Kopf und Körper) und beide wieder neu zu füllen. Ich vergleiche es mit einem Kleiderschrank, den man einmal im Jahr komplett ausräumt sauber putzt, sortiert und dann wieder schön ordentlich einräumt.»

Hat sich deine Vorbereitung auf den Swissalpine in dieser Zeit verändert?  
Urs: «In den ersten Jahren war der Swissalpine mein Saisonhöhepunkt und ich richtete mein Training gezielt darauf aus. Heute versuche ich das ganze Jahr im Training zu bleiben, um «meinen» Lauf geniessen zu können.» 

Was waren deine Highlights beim Swissalpine Marathon? Welche Geschichten und Erlebnisse sind dir besonders in Erinnerung geblieben?
Urs: «Da gibt es so viele … Jede Austragung für sich war für mich ein Highlight. Sicher wird der erste Swissalpine immer in Erinnerung bleiben. Vor allem der Moment bei Kilometer 65 damals, als ich beim Bänkli zwischen Spinnelenwald und Bolgenwald in der Waldlichtung Davos vor mir sah.

Was wünschst du dir für den Swissalpine? 
Urs: «Dass er bleibt was er ist: Ein super Event in einer wunderschönen Berglandschaft. Das wird er auch bleiben, denn die traumhafte Bergwelt um Davos wird sich nicht verändern.» 


Kurzes Interview Urs O. - herzlichen Dank! 

Story #7 │ «Gipfeltreffen in Davos»

78,5 km Laufen oder 78,5 Jahre Leben - was ist der Swiss Alpine Marathon wirklich?

9 Monate Vorbereitung. Mindestens. Der Startschuß fällt um 8 Uhr. Ein Schrei, ein Klaps auf den Po – das Abenteuer Lebenslauf beginnt. Auch ein Arzt ist anwesend. „Trinken, Trinken, Trinken“ befiehlt er den LäuferInnen. Auch Babies lernen dies zuerst. (Über)lebensnotwendig. Großes Staunen an der Promenade in Davos: Was sind denn das für Erdenbürger? Zum Teil mit Rucksack. 78,5 Kilometer! Und mehrere Passanten fragen: „Wieviele Tage brauchen die denn dafür?“

Ab Km 6 ist das Schaulaufen zu Ende. Der Ernst des Lebens beginnt. Alles spielerisch leicht, die erste Steigung nur eine Fußnote. Schnell ist Km 10 erreicht, man ist noch frisch. Aber der Blick voraus läßt die ersten Hürden erkennen. Es folgt ein ständiges Auf und Ab zwischen Km 10 und 20, Pubertät, die 1. Liebe, Schulabschluß, Berufsentscheidung. In der Steigung nach Monstein muß jeder für sich seinen Rhythm of Life finden. Seinen Weg, seinen Sinn des Lebens. Neben der Bahnlinie vor dem Landwassertunnel sollte jeder dann in der richtigen Spur sein.

Der Höhepunkt dieses 1. Teils folgt: Wiesen mit seinem Viadukt. Der Platzspeaker begrüßt uns und die Zuschauer stehen Spalier und applaudieren.(M)eine Hochzeitsfeier. Km 23 – immer noch relativ frisch, aber schon erste Spuren der vergangenen Zeit. Wie geht es weiter? Keiner weiß es.

Dann schon Km 30 – Filisur – der 1. Abschnitt des Lebens ist Ende. Nun die Gewißheit: die Jugend ist endgültig vorbei, die 3 steht vorne. Im Wettlauf mit der Zeit gilt es in der Steigung nach Bergün kraftsparend und vorausschauend zu laufen – die bizarren Formen des Bergünersteins lenken davon nur kurze Zeit ab. Faszination Erdgeschichte. Wunder der Evolution. Jeder für sich ein Original inmitten des Kosmos.

Mittagszeit. Bergfest. Kilometerpunkt 39. Bergün ist erreicht: eine Umarmung, ein Kuß des Partners . Das Signal: Ich baue auf dich. Nutze deine Stärken. Wer schon so weit gekommen ist, muß weiter kämpfen. Der Adrenalinstoß. Rein rechnerisch ist die Hälfte erreicht, aber aus Erfahrung weiß man, daß eigentlich erst jetzt der Swiss Alpine Marathon richtig beginnt. Bergün – dieses faszinierende Bergdorf im Albulatal. Alpenidylle pur, das Schmuckstück, der Juwel des SAD. Es ist eine Sünde, hier nur kurz zu verweilen. Sogar die Kirchenglocken läuten. Gänsehaut, auf die die Sonne brennt. Hochsommer.

Es folgt das eigentliche Herzstück des Swissalpine Marathons: das Val Tuours, von mir einmal „Tal des Todes“ genannt, als es noch hinauf zum Sertig-Paß ging. Seit Jahren heißt der Endpunkt dieser Kletterpartie: Keschhütte. Hinauf ist es wie auf der Karriereleiter. Ab Km 40 scheinbar unüberwindbare Steigungen, die nie ein Ende zu haben scheinen. Die Midlife-Crisis läßt grüßen. Die Prüfung, der Wegweiser in der Mitte des Lebens. Vor dir und hinter dir die Konkurrenten. Schmaler Grat. Um dich herum die einzigartige Vegetation der hochalpinen Landschaft. Die Farben der Bergblumen. Faszinierend. Ganz klar: jetzt heißt es, Farbe zu bekennen. Im Pulk und jeder doch allein gegen den Berg. Kämpfen.

Und schließlich der Lohn aller Anstrengungen: die Keschhütte ist erreicht. 2.532 Meter ü.M. Der Blick auf den Piz Kesch und die Gletscherwelt herum. Atemberaubend. Jubel, Stolz, Schwerelosigkeit. Ich bin Neil Armstrong. Der Höhepunkt ist erreicht. Für jeden müßte ein Chefsessel an der Keschhütte warten. Der Karrierehöhepunkt um die 50. Nie wieder werden wir dem Himmel näher sein. The sky is the limit. Top of the world. Aber unaufhaltsam muß (?) man weiter.

Km 52 bis Km 60 – in dieser Höhe, auf diesem Niveau halten wir uns. Aber auch jetzt noch Unwägbarkeiten, eventuell ein nachmittäglicher Hagelschauer, der dazu führen kann, daß man am Scaletta-Paß ins Gras, pardon, in den Schnee beißen muß. Wer (Familien)Glück hat, weiß jetzt sogar seine erwachsenen Kinder neben sich, wie bei Organisator Andrea Tuffli.

Aufgeben? Niemals. Aber der Gesundheitscheck bei „Betriebsarzt“ Dr. Beat Villiger auf dem Scaletta-Paß ist Pflicht. Die Frage:“Wie geht es?“ nach 60,8 km Berglauf, nach über 60 Lebensjahren kann nur äußerst selten mit einem ehrlichen, deutlichen GUT beantwortet werden. Zu markant sind die Spuren im Gesicht, am Körper und in der Seele eingebrannt. Du hast deine Identität. Aber Vorsicht: Bei einem: “Ja. Mir geht es gut!“ reichen schon die ersten Blicke hinab ins Dischmatal, aufkommende Euphorie einzudämmen.

Der Abstieg beginnt. Muskeln schmerzen, die Füße suchen oft verzweifelt Halt auf rutschigen Steinen und Schneefeldern. Aber mit 65 ist es geschafft: der Ruhestand, der Lebensabend ist da. Für uns LäuferInnen heißt dies nun in Dürrboden: nur noch 14 Km bis ins Ziel, meine allabendliche Trainingsdistanz. Jetzt sollte jeder wieder lernen, in relativ flachem Gelände das Laufen zu genießen. Es beginnt sozusagen nach den Höhen und Tiefen eines ganzen Tages der Endspurt des Lebens. Oder die Tour de Honeur, wie bei der Tour de France die letzte Etappe auf dem Champs Elysees genannt wird.

Alle finden sich nun wieder zusammen, Familientreffen. Warum fällt mir gerade jetzt eine Lebensweisheit aus dem Berufsleben ein: Vergiß nie auf dem Weg nach oben, daß du alle wieder siehst auf dem Weg nach unten.

Und dann ist es geschafft. Aus. Vorbei. Das Erlebnis des Zieleinlaufs in Davos ist wie ein kleiner Tod; im Gesicht in wenigen Stunden um Jahre gealtert, ausgebrannt.

78,5 Km immer Ende Juli – (m)ein Leben im Zeitraffer. In der heutigen schnellebigen Internetwelt ganz normal. Oder doch nicht? Das muß jeder für sich selbst herausfinden. Was im Winter für die internationale Businesswelt das Weltwirtschaftsforum Davos ist, ist für uns LäuferInnen der Swiss Alpine Marathon Davos. Ein singuläres Ereignis mit so vielen Dingen, die mein Leben immer bereichert haben. Und einmal möchte ich im Ziel sagen: „ Für mich sind alle Kapitel des Buches „Mein Lebenslauf“ geschrieben.“

P.S.: Laut Statistik beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung der Menschen in Mitteleuropa 78,5 Jahre. So viele Jahre wie der SAD Kilometer hat. Heute bin ich halb so alt, pardon, jung. Ich möchte einmal 78,5 Jahre werden.

Beitrag von Heinz-Peter Römer - herzlichen Dank!
Heinz-Peter Römer ist einer von 19 Läufern, die bei der 20. Auflage des Swiss Alpine Marathon zum 20. Mal dabei waren. Er hat dabei immer die Ultra-Strecke absolviert. Zunächst über den Sertig-Pass, jetzt über die Keschhütte.

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